
Die Orgel der Jakobikirche wurde 1870-1877 von Friedrich Albert Mehmel aus Stralsund mit 68 Registern, verteilt auf vier Manuale und Pedal, erbaut. Mehmel verwendete das künstlerisch hochbedeutsame Gehäuse der Vorgängerorgel von 1741 wieder. Die Orgel galt zur Zeit ihrer Erbauung als eine der schönsten in Deutschland und war gleichzeitig das größte Instrument Mehmels. Als Schüler Friedrich Ladegasts brachte er dessen bahnbrechenden Orgelbaustil nach Norddeutschland. Für die Interpretation der hochromantischen, virtuosen Orgelliteratur (Franz Liszt, Julius Reubke, Max Reger u.a.) ist sie ein ideales Instrument.
Das Orgelwerk
4 Manuale und Pedal, 68 klingende Stimmen
mechanische Schleifladen mit Barkerhebel
Keilbälge
Gehäuse mit Figuren und Ornamentwerk im Stil des Hochbarock
Disposition:
II.Hauptwerk C-f3
Erste Abtheilung
Principal 16’
Principal 8’
Octave 4’
Quinte 2 2/3’
Octave 2’
Cornett 4fach
Mixtur 4-5fach
Cymbel 3fach
Trompete 8’
Zweite Abtheilung
Bordun 32’
Bordun 16’
Gemshorn 8’
Viola di Gamba 8’
Hohlflöte 8’
Gedackt 8’
Quinte 5 1/3’
Gemshorn 4’
Fagott 16’
I.Zweites Manual C-f3
Erste Abtheilung
Principal 16’
Quintatön 16’
Principal 8’
Salicional 8’
Dolce 8’
Portunal 8’
Rohrflöte 8’
Rohrflöte 4’
Fugara 4’
Clarinette 8’
Zweite Abtheilung
Octave 4’
Quinte 2 2/3’
Octave 2’
Cornett 4fach
Mixtur 4fach
III.Drittes Manual C-f3
Gedackt 16’
Geigenprincipal 8’
Terpodeon 8’
Vox coelestis 8’
Flauto traverso 8’
Gedackt 8’
Principal 4’
Flauto traverso 4’
Nasard 2 2/3’
Flautino 2’
Progressio Harmonica 2-5fach
Hautbois 8’
IV.Viertes Manual C-f3
Lieblich Gedackt 8’
Viola d’amour 8’
Harmonica 8’
Lieblich Gedackt 8’
Viola d’amour 4’
Harmonia aetherea 1-3fach
Aeoline 16’
Pedal C-d1
Erste Abtheilung
Principal 32’
Posaune 32’
Principal 16’
Posaune 16’
Zweite Abtheilung
Violon 16’
Subbaß 16’
Octavbaß 8’
Violoncello 8’
Flötenbaß 8’
Octave 4’
Dulcian 16’
Dritte Abtheilung
Quintbaß 10 2/3’
Quintflöte 5 1/3’
Waldflöte 2’
Trompete 8’
Clairon 4’
Nebenzüge
Koppeln
Sperrventile
Einführungstritte für die Abtheilungen
Jalousieschweller IV.Manual
Der Orgelbauer Friedrich Albert Mehmel (1827-1888)
1827
Friedrich Albert Mehmel wird in Allstedt/Thüringen geboren
ab 1845
Mehmel arbeitet nach seiner Lehrzeit bei Johann Friedrich Schulze in Paulinzella in den Werkstätten Ibach (Barmen), Strobel (Frankenhausen) und Ladegast (Weißenfels)
1858
Mehmel macht sich selbständig und übernimmt die Werkstatt von Matthias Fernau in Stralsund
1866
Mehmel erbaut ein dreimanualiges Orgelwerk für die Marienkirche in Greifswald
1872
Mehmel eröffnet neben der Stralsunder Werkstatt noch eine Filiale in Wismar
1877
Mehmel vollendet sein größtes Werk, einen viermanualigen Neubau für die Stralsunder Jakobikirche, und erhält dafür hohe Anerkennung
1888
Mehmel verstirbt in Stralsund
Die Restaurierung
Die am Ende des Zweiten Weltkrieges ausgeplünderte Mehmel-Orgel in St.Jakobi soll im Anschluß an die Restaurierung der Orgeln in St.Marien und St.Nikolai ebenfalls vollständig wiederhergestellt werden. Entsprechend der für die Jakobikirche vorgesehenen Nutzungskonzeption wird das Instrument dann wieder bei verschiedensten Konzerten und Festveranstaltungen erklingen. Vorerst wurden eine Bestandssicherung und Holzschutzbehandlung durchgeführt.
Die Finanzierung der Gesamtrestaurierung ist durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bereits zugesagt.